Über die Schwierigkeit, sein Bestes zu geben…

Keith Johnstones Arbeitsanweisung „Be average!“ – „Sei durchschnittlich!“ ist wohl eine der von mir am häufigsten in Workshop-Situationen verwendeten Formeln. Die Situation, wenn Improspieler*innen ihr Bestes geben wollen und ihre Kreativität verschwindet, ist mir gut vertraut. Ich kenne nur zu gut das Gefühl, wenn alles versteinert und man plötzlich keine Ideen mehr hat. Oder wenn plötzlich der Druck zunimmt und alles zu laut, zu groß, zu originell wird. Wenn sich der Fokus zu sehr auf das Produkt verschiebt und die Spielfreude und das Vertrauen in den Moment verschwinden.
Einfach mal was tun oder über die Wahrhaftigkeit des Handelns

Mein Mann ruft mich zum Abendessen, während ich im Garten Tomatenpflanzen in die Erde bringe. Er ruft einmal. Ich antworte: „Ich komme.“ und pflanze weiter. Er ruft nochmal. „Ich komme.“ Er ruft ein drittes Mal, dieses Mal mit deutlich schärferem Ton. Ich entscheide mich, alles liegen zu lassen und zum Essen zu kommen.
Diese recht alltägliche Szene würde so auf der Bühne vermutlich so nicht stattfinden. Aber sie verdeutlicht die Bedeutung des Tuns – auf der Bühne und im täglichen Leben. Solange ich nur beschreibe, was ich tue, ohne es eigentlich zu tun, ist dies für den Fortgang der Handlung (oder in diesem Fall für meinen Mann) gewissermaßen wertlos. Meine Glaubwürdigkeit hängt also einhundert Prozent von meinem Tun ab. Tue ich etwas oder tue ich es nicht.
Der Kampf gegen das Nichts oder die Schwierigkeit des kreativen Schaffensprozesses

In Michael Endes „Unendlicher Geschichte“ kämpft die Hauptfigur Bastian dagegen, dass sich das Nichts ausbreitet. Diese Geschichte kann als Allegorie auf unser Wirken als Improspieler*innen – und allgemein auf alle kreativen Prozesse – verstanden werden.